gute Nachrichten - neue Ziele.. |
Thomas ist nun nicht mehr zu halten. Seit seiner Wander- Freigabe durch den Arzt steht für ihn fest: Silvester will er mit direktem Blick auf den ausbrechenden Fuego feiern, die Zeit drängt, da wird die Vorbereitung herausfordernd. Die Wettervorhersage passt, also los.
Da wir uns für eine Tour auf eigene Faust entschieden haben, suchen wir erstmal alle notwendigen Dinge zusammen: Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Mützen, Handschuhe, Skiunterwäsche, warme Socken und dazu noch die Walkie Talkies, die Power-Bank, Wanderschuhe, Rucksäcke. Genug zu essen und trinken brauchen wir auch, also noch einmal in den nächsten Supermarkt. Thomas baut innerhalb weniger Minuten das Zelt probehalber auf. Wir müssen beide uns rein quetschen und stellen fest, geht noch. Allerdings verlieren die Isomatten Luft. Das ist nicht so gut. |
Karneval kurz vor Silvester? |
Laut iOverlander gibt es am Startpunkt einige Touranbieter, die einfache Hütten vermieten. Das ist unser Wunsch, die Zelt-Variante ist bei Nachttemperaturen von aktuell ca. 2°C auf ca. 3.700m eher so der Notfall.
Der Plan: wir fahren mit dem Dicken hoch zum Startpunkt auf ca. 2.450 m Höhe, parken dort, organisieren eine Hütte und wandern dann - mit oder ohne Zelt hoch zum Aussichtspunkt des Acatenango Vulkans auf ca. 3.700 m. Dort verbringen wir die Nacht, bewundern den ausbrechenden Fuego aus der Nähe und wandern am Morgen wieder zurück zum Dicken. Einer unserer Träume soll endlich wahr werden. Am 30.12. fahren wir nachmittags also los. Leider kommen wir nicht sehr weit, die Fahrt endet abrupt in einem Dorf. Straße gesperrt, wir werden umgeleitet. Im Schneckentempo geht es in einer Kolonne langsam voran, ein Entkommen auf einem der Querwege unmöglich. Plötzlich stehen viele Menschen an der Straße und wir merken, dass der Dicke das Ende einer Art Karnevalsumzug ist. Direkt vor uns sitzt eine Kapelle auf einem Anhänger, davor entdecken wir einen Wagen mit Engelchen… Die an der Straße stehenden Zuschauer sind vom Dicken ziemlich überrascht, er passt ja nun gar nicht zu diesem Umzug. Irgendwann realisieren wir, dass wir hier nicht mehr raus kommen. Keine Chance! Was bleibt uns anderes übrig, als den Spaß mitzumachen? Wir sitzen und lachen und winken… - und hoffen, dass dort, wo der Zug endet die Straßen so breit und hoch sind, dass wir weiterkommen. Die Leute haben großen Spaß am Dicken und an uns. Von den Wagen vor uns werden Bonbons /Kamelle geworfen. Wir haben keine, ein Junge bringt uns zum Trost einige… |
Cervezería 14 |
Als sich der Umzug irgendwann auflöst, ist es fast schon dunkel. Weiter wollen wir nun nicht mehr. In der Nähe gibt es eine gute Brauerei, auf deren Parkplatz Overlander übernachten können. Das ist damit unser neues Ziel, dort können wir auch was essen, denn zum Kochen haben wir jetzt keine Lust nicht mehr.
Von der „Cervezeria 14“ sind wir mehr als überrascht. Ein riesiger Biergarten, mehrere Lagerfeuer, eine supergroße Terrasse über dem Garten, im Hintergrund eine professionelle Bühne. Wir bestellen feines IPA und was zu futtern und erfahren so nebenbei, dass später noch eine Liveband auftritt. Tatsächlich stehen später neun Musiker auf der Bühne. Im Hintergrund beobachten wir, wie der Vulkan Fuego regelmäßig ausbricht. Das Wetter ist wie vorhergesagt, traumhaft. Trotz lauter Musik liegen wir früh im Bett, wir wollen ja zeitig weiter. |
dumm gelaufen... |
Am nächsten Morgen finden wir am Zielort zwar einen super Stellplatz für den Dicken aber prompt keine Hütte. So entscheiden wir, diesen Tag noch für Vorbereitungen (Hütte organisieren, Essen vorbereiten und Rucksäcke packen etc.) zu nutzen und erst am Neujahrsmorgen früh los zu laufen.
Eine Hütte finden wir nicht, Silvester scheint Hochsaison und gleichzeitig schließen einige Anbieter ihr Angebot ganz. Abends klagt Chris über Schluckbeschwerden und Halsweh. Gegen 20.00 Uhr suchen wir einen anderen Stellplatz für den Dicken. Silvester werden Knaller, Böller und Raketen nicht nur in Massen verkauft. An unserem tollen Stellplatz direkt am Sportplatz scheint der perfekte Ort, sie alle anzuzünden. Und bevor irgend etwas Dummes passiert, ist es besser, wegzufahren. Wir parken an einem Seitenstreifen der Hauptstraße. Vom Knallen vor und um Mitternacht bekommen wir wenig mit, wir schlafen beide.
Nur nachts fühlt sich Chris krank, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen…- ein grippaler Infekt scheint im Anmarsch. Den nächsten Tag verbringt sie im Bett. Einen Tag später fahren wir weiter. Auskurieren irgendwo anders. Vulkantour gestrichen. Wettervorhersage: Verschlechterung, Wind, Wolken, kalt. MIST. Bei der Weiterfahrt bekommen wir noch einen kleinen Eindruck dessen, was wir verpasst haben:
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Chichicastenango... |
Es geht nach Chichicastenango, da findet am Wochenende ein toller Markt statt, angeblich der größte in Mittelamerika. Richtig weit ist die Strecke nicht, es geht aber wie häufig in Guatemala steil bergab und bergauf und kurz vor dem Ziel machen wir eine kurze Pause, um die Sicht von oben auf die Stadt zu genießen. Auf den restlichen acht oder 10 km geht es 500 Höhenmeter runter und 500 m wieder hoch. Das ist schon harte Arbeit für unser Auto.
Der Stellplatz liegt am Rand der Innenstadt, wir fahren auf eine staubige Parkfläche und sind dort ziemlich irritiert. Laut iOverlander soll es hier sehr schön sein, das sehen wir überhaupt nicht. Dann meldet sich aber jemand und zeigt auf eine Einfahrt am Rande des Staubplatzes. Da geht es tatsächlich in einen kleinen Wald und dort sind wir ganz alleine und stehen am schönsten Platz mit freier Sicht nach oben, also Sonne für die Solarelemente. |
auf dem bekannten Markt... |
Die angeblich heiße Dusche stellt sich als lauwarm heraus, besser als nichts und am nächsten Tag gehen wir frisch gereinigt auf die Pirsch, laufen also ins Städtchen. Der richtige Markt findet erst einen Tag später statt, das hat den Vorteil, dass wir fast die einzigen Touristen sind und es kein Gedränge gibt. Wir kaufen durchaus ordentlich ein, finden einen tollen Obst und Gemüsemarkt. Der heißt auch noch Sankt Tomas, wie die örtliche Hauptkirche.
Im Angebot finden sich viele bunte Blusen, die sind aber für das örtliche Publikum gemacht und sprechen uns nicht so an, dass wir verhandeln wollen. Sehr aufwändige Stickereien, sehr bunte Farben, tolle Sachen, aber eben wirklich für die Landsleute der Händler. Wir lernen, dass die typischen Huipiles (Blusen) unterschiedlich bestickt sind, je nachdem, woher die Trägerin kommt. Auch die Farbtöne sind unterschiedlich, die Dinge sind wohl alle von Hand gewebt und deswegen ziemlich teuer. Manche Frauen besitzen nur zwei oder drei. Solche Kleidungsstücke für uns ist das im Ergebnis nichts. |
oh Schreck! |
Wir haben gleichwohl viel Spaß auf dem Markt, manche kennen uns schon und haben gesehen, dass wir auch was kaufen. Wir stellen noch fest, dass die Preisgestaltung hier vor Ort touristisch geprägt ist, verhandeln ist quasi Pflicht. Bei einigen Kleinigkeiten stellen wir fest, dass für eine Ananas schon mal 40 Quetzales (knapp € 4,50) verlangt werden, auf dem eigentlichen Obstmarkt bezahlen wir nur fünf. Gut, es gibt Größenunterschiede aber vielleicht wurde von uns auch etwas mehr verlangt.
Groß ist der Schreck, als wir am nächsten Tag weiterfahren wollen und uns gegen Mittag ein paar Meter rückwärts zum Wasserhahn bewegen. Ein großer Ölfleck unterm Auto und im Motorraum ziemlich viel verspritztes Öl. Der Betreiber des Campingplatzes hat gleich einen Vorschlag, es gibt vor der Tür einen Mechaniker, und den empfiehlt er. Allerdings ist er nicht da, kann erst am nächsten Morgen und so bleiben wir noch eine Nacht. Der Schrauber meint nach einigem hinsehen, es sei wohl der Ölfilter und da sei die Dichtung nicht in Ordnung. Wir haben sowas noch mit. Der Austausch geht schnell, die Überraschung kommt sofort. Der berechnete Preis ist für guatemaltekische Verhältnisse eine Unverschämtheit, das sieht auch der Campingplatzbetreiber so. Witzigerweise einigen wir uns mit ihm (und nicht dem Schrauber!!) auf 100 Quetzales, wir haben ja noch den Vergleich mit dem Bremsenwechsel. |
am Atitlan See... |
Und schon sind wir wieder auf der Straße und halten alle paar Kilometer an, um nach dem Öl zu sehen. Das Ziel ist, einen neuen Ort am wunderschönen Atitlan See zu besuchen. Das ist eine Herausforderung, da die Straßen zu dem See zu den steilsten im ganzen Lande gehören. Der See ist vor über 80.000 Jahren durch einen riesigen Vulkanausbruch entstanden. Um ihn herum sind danach neue Kegel gewachsen. Einfach ein wunderschönes Szenario und diesmal auch ohne Wolken und bei idealen Bedingungen. Ziel ist der berühmte Campingplatz von Pierre, einer der angeblich schönsten Campingplätze ganz Zentralamerikas.
Die Abfahrt zum See gestaltet sich für den Dicken als problemlos - jetzt mit neuen Bremsen vorne und hinten, die Fahrt durch den Ort mit seinen schmalen Sträßchen mit auch noch einem heftigen Umweg eher eine Herausforderung - aber: wir kommen gut an und treffen Doris und Herbert wieder. Der Platz ist wirklich ein Traum in europäischem Standard, die Stellplätze terrassenförmig angelegt, dazu haben wir jetzt das Wetter, das wir im Frühjahr so vermisst haben - wolkenlosen, blauen Himmel. Wir erkunden den nahen Ort San Marcos La Laguna und fahren mit dem Wassertaxi nach San Pedro La Laguna. Hier lässt es sich aushalten, hier kann man Raum und Zeit vergessen… |
zum Santiaguito... |
Nur wir, wir fahren nach zwei Nächten in diesem Paradies weiter. Der Grund: wir wollen nicht noch einmal zurück fahren, um noch einmal das Projekt „Besteigung und Übernachtung auf dem Acatenango“ anzugehen. Statt dessen wollen wir uns den anderen aktiven Vulkan Guatemalas ansehen, den Santiaguito. Dazu läuft man vom Ort Quetzaltenango auf den Vulkan Santa Maria. Die Wettervorhersage ist nur noch für wenige Tage super, also los.
Die Strecke nach Quetzaltenango kennen wir schon, es geht heftig in die Höhe, auf ca. 3.000 m. Der Dicke wird auf den empfohlenen Parkplatz geparkt, wir bereiten die Wanderung für die Nacht vor. Beim Brote schmieren wird Chris plötzlich heftig übel. Zwei Stunden später ist klar: Magen und Darm rebellieren, so brauchen wir in der Nacht nicht los marschieren. Nachts hören wir nun, wie eine nach der anderen Gruppe los wandern. Frust! Am nächsten Tag bleibt Chris im Bett, Thomas läuft alleine auf den Berg - er fühlt sich auf den 500 Höhenmetern bergan pudelwohl und schreit oben sein Glück laut heraus. Mit 67 und neuer Hüfte sagt er sich: Läuft! Und zwar schneller als eigentlich erwartet. Na gut anderthalb Stunden ist er am Aussichtspunkt. Am Wanderziel leichte Enttäuschung. Der Vulkan ist immer noch ziemlich weit weg und dampft nur etwas vor sich hin. Wie lange warten? Er gibt sich 30 Minuten und in denen passiert natürlich nichts. Erst kurz nach derzeit, wo eigentlich der Rückweg schon begonnen sein soll, geht die Post ab und ein Geräusch wie bei einem startenden Flugzeug erreicht vom 2 km entfernten Vulkan den Pausenplatz. Schnell, schnell noch ein Video gemacht und dann zurück zu Christin. Er kommt mit tollen Eindrücken und vielen Fotos und Videos verschwitzt vom ausbrechenden Vulkan zurück. Der Vulkan macht das übrigens regelmäßig und ziemlich harmlos, gefährlich ist es nur alle paar Jahre und das war heute nicht der Fall. |
Hier noch ein kleines Video: |
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Refugio del Quetzal... |
Chris ist enttäuscht, sie hatte sich so sehr auf die beiden Vulkane gefreut - es sollte wohl nicht sein.
Ein Ziel haben wir noch in Guatemala. Im „El Refugio del Quetzal“ waren wir im Frühjahr keine Quetzales zu sehen. Jetzt könnte man schon welche entdecken, also noch ein Versuch. Morgens gehen wir in den Park - natürlich bepackt mit Fernglas und der großen Kamera mit dem Tele. Tolle Wanderung! Wir sehen viele Pflanzen und warten lange am Baum mit den wilden Avocados, der Leibspeise der wunderschönen Vögel. Trotz langem Warten und Suchen und reich gedecktem Tisch lässt sich kein Quetzal sehen. |











































































